Der Sumardagurinn fyrsti ist einer der ungewöhnlichsten Feiertage Europas. Jedes Jahr feiern die Isländer im April den ersten Sommertag, obwohl das Wetter oft noch winterlich ist. Doch hinter diesem Feiertag steckt eine jahrhundertealte Tradition, die tief in der Geschichte und Kultur Islands verwurzelt ist.
Was ist Sumardagurinn fyrsti?
Sumardagurinn fyrsti bedeutet übersetzt „der erste Tag des Sommers“ und ist ein gesetzlicher Feiertag in Island. Er wird immer am ersten Donnerstag nach dem 18. April gefeiert und fällt damit meist zwischen den 19. und 25. April.
Seinen Ursprung hat der Feiertag im altisländischen Kalender, der nur zwei Jahreszeiten kannte: Winter und Sommer. Frühling und Herbst existierten nicht. Mit dem ersten Tag des Sommermonats Harpa begann offiziell die helle Jahreshälfte – ein Ereignis, das schon zur Wikingerzeit gefeiert wurde.
Warum beginnt der Sommer in Island so früh?
Für viele Reisende wirkt es überraschend, den Sommer mitten im April zu begrüßen. Doch in Island steht Sumardagurinn fyrsti weniger für Temperaturen als für Licht, Hoffnung und Neubeginn. Nach einem langen, dunklen Winter ist allein die Rückkehr der hellen Tage ein Grund zur Freude.
Ein alter isländischer Volksglaube besagt sogar:
Wenn es in der Nacht zum ersten Sommertag noch friert, wird der Sommer besonders gut.
Man spricht davon, dass Winter und Sommer „zusammenfrieren“ – ein positives Zeichen für die kommenden Monate.
Traditionen und Bräuche am Sumardagurinn fyrsti
Der erste Sommertag wird in ganz Island gefeiert – ruhig, familiär und gemeinschaftlich:
Viele Geschäfte und Büros bleiben geschlossen, da es sich um einen offiziellen Feiertag handelt.
In Städten und Gemeinden finden Paraden, Musikveranstaltungen und lokale Feste statt.
Kinder erhalten oft kleine Geschenke, meist etwas für Aktivitäten im Freien.
Traditionell wünscht man sich gegenseitig:
„Gleðilegt sumar og takk fyrir veturinn!“ (Einen schönen Sommer – und danke für den Winter!)
Früher wurde das Alter der Menschen danach bemessen, wie viele Winter sie überlebt hatten. Jeder überstandene Winter war ein Erfolg – und der Sommer ein Versprechen auf ein leichteres Leben.
Wie wird Sumardagurinn fyrsti heute gefeiert?
Heute ist der Feiertag vor allem ein Familienfest. Viele Isländer verbringen den Tag gemeinsam, gehen spazieren, besuchen Veranstaltungen oder eröffnen symbolisch die Grillsaison. Auch Eisdielen, Cafés und Bäckereien verzeichnen an diesem Tag oft besonders viele Besucher.
Für Reisende bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, Island von seiner authentischen, kulturellen Seite kennenzulernen – fernab von spektakulären Sehenswürdigkeiten, aber nah am Alltag der Menschen.
Sumardagurinn fyrsti und Reisen nach Island
Wer Island im April oder Mai besucht, erlebt den Übergang vom Winter zum Sommer. Die Tage werden spürbar länger, die Natur erwacht langsam, und mit etwas Glück lassen sich bereits Zugvögel wie Papageientaucher beobachten. Sumardagurinn fyrsti markiert dabei symbolisch den Beginn dieser besonderen Jahreszeit.
Fazit: Mehr als nur ein Feiertag
Sumardagurinn fyrsti ist kein meteorologischer Sommeranfang, sondern ein kulturelles Statement. Er steht für Optimismus, Zusammenhalt und die Dankbarkeit dafür, einen weiteren Winter überstanden zu haben. Genau das macht diesen Feiertag so einzigartig – und so typisch für Island.
Gleðilegt sumar!
Ein Tag ohne Frauen – als Island plötzlich stillstand
Der Kvennafrídagurinn, international bekannt als „Ein Tag ohne Frauen“, gehört zu den prägendsten Momenten der isländischen Geschichte. Er zeigt eindrucksvoll, welche Rolle Frauen für das Funktionieren der Gesellschaft spielen – und warum Gleichberechtigung in Island nicht vom Himmel gefallen ist.
Arbeit als Teil der Identität – auch für Frauen
Arbeit hat in Island traditionell einen hohen Stellenwert. Viele Menschen definieren sich stark über ihre berufliche Tätigkeit – und das gilt seit Jahrzehnten ebenso für Frauen. Bereits ab den 1960er‑Jahren waren die meisten Isländerinnen berufstätig, unabhängig davon, ob sie verheiratet waren oder Kinder hatten. Gleichzeitig trugen sie meist zusätzlich die Hauptverantwortung für Haushalt und Familie.
Bis heute sind über 80 % der Frauen in Island erwerbstätig. Dennoch blieben ihre Leistungen lange Zeit unterbewertet – insbesondere in Form von schlechterer Bezahlung und fehlender Anerkennung unbezahlter Arbeit im Alltag.
1975: Frauen legen ihre Arbeit nieder
Um genau darauf aufmerksam zu machen, organisierten isländische Frauenorganisationen im Jahr 1975 einen besonderen Protest: Frauen sollten an einem Tag weder ihrer bezahlten Arbeit nachgehen noch unbezahlte Arbeit zu Hause leisten.
Das Ausmaß war enorm: Rund90 % aller Frauen in Island beteiligten sich.
In Reykjavík versammelten sich etwa 20.000 Frauen im Stadtzentrum – damals die größte Demonstration, die das Land je erlebt hatte. Auch in vielen anderen Städten und Orten fanden Kundgebungen statt. Internationale Medien berichteten über diesen ungewöhnlichen und kraftvollen Protest.
Ein Tag, der den Alltag lahmlegte
Da fast alle Frauen teilnahmen – Ehefrauen, Mütter und Töchter – blieb den Männern wenig Spielraum. Sie mussten sich an diesem Tag um Kinder, Haushalt und Essen kümmern. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Anekdoten über improvisierte Mahlzeiten und chaotische Haushalte.
Der Effekt war eindeutig: Innerhalb eines Tages wurde sichtbar, wie unverzichtbar die Arbeit von Frauen ist – sowohl im Berufsleben als auch im privaten Alltag.
Nachhaltige Wirkung auf die Gesellschaft
Der Kvennafrídagurinn von 1975 war kein symbolischer Akt ohne Folgen. Er markierte einen Wendepunkt in der Gleichstellungspolitik Islands. In den folgenden Jahren wurden wichtige Schritte unternommen, und 1980 wurde mit Vigdís Finnbogadóttir die erste demokratisch gewählte Präsidentin der Welt gewählt.
Der Frauenstreik wurde seither mehrfach wiederholt – zuletzt 2025, genau 50 Jahre nach dem ersten Kvennafrídagurinn. Dieses Mal wurde bewusst auch der Begriff Kvennaverkfall (Frauenstreik) verwendet, um zu betonen, dass Gleichberechtigung noch immer nicht vollständig erreicht ist. Der geschlechtsspezifische Lohnunterschied besteht weiterhin, auch wenn er kleiner geworden ist.
Veränderungen, von denen alle profitieren
Vieles hat sich seit 1975 verbessert. Väter übernehmen in Island heute einen großen Teil der Elternzeit – die Hälfte des gesetzlichen Elternurlaubs ist ihnen fest zugeteilt. Sie sind selbstverständlich in die Kinderbetreuung und den Familienalltag eingebunden. Davon profitieren Mütter, Kinder und nicht zuletzt die Väter selbst.
Der „Tag ohne Frauen“ ist daher mehr als ein historisches Ereignis. Er ist Teil der isländischen Identität – und erinnert daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt sichtbar gemacht, eingefordert und immer wieder verteidigt werden muss.
Filmtipp: „Ein Tag ohne Frauen“ in der ARTE‑Mediathek
Wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, dem sei die eindrucksvolle Dokumentation „Ein Tag ohne Frauen“ empfohlen. Der Film erzählt die Ereignisse des Frauenstreiks von 1975 aus der Perspektive der beteiligten Frauen – persönlich, bewegend und stellenweise mit feinem Humor.
Die Dokumentation war und ist in der ARTE‑Mediathek sowie auf arte.tv verfügbar und wurde anlässlich des 50‑jährigen Jubiläums erneut gezeigt.
Isländische Genussmomente zum Bolludagur
Bolludagur
Wenn in Island der Winter langsam seine Kraft verliert und die Tage wieder heller werden, beginnt eine der charmantesten Traditionen des Landes: Bolludagur, der isländische „Bollentag“. An diesem Tag – immer am Montag vor Aschermittwoch – dreht sich kulinarisch alles um die köstlichen, mit Sahne gefüllten Brandteigkugeln, die Bollur.
Die Vatnsdeigsbollur gehören mittlerweile zu den beliebtesten Varianten – luftig, leicht und herrlich cremig.
Ein Hauch Kindheit und ein Fest der Gemütlichkeit
Für viele Isländer:innen ist Bolludagur ein nostalgischer Feiertag. Kinder dürfen ihre Eltern mit bunten Stöckchen „wecken“ und bekommen für jeden Schlag einen „Bolla“ versprochen. Die Bäckereien füllen ihre Auslagen mit Bergen von gefüllten Teigkugeln – mit Schokolade, Karamell, Vanillecreme oder Sahne.
Doch mindestens genauso schön ist es, die Bollur selbst zu backen. Der klassische isländische Brandteig, Vatnsdeig, gelingt überraschend leicht und sorgt für lockere, goldbraune Teighüllen, die man nach Herzenslust füllen kann.
Rezept zum Nachbacken – Island auf deinem Kuchenteller
Mit unserem Rezept für Vatnsdeigsbollurkönnen Sie Bolludagur ganz einfach selbst feiern. Luftiger Brandteig, cremige Vanille-Sahne und eine zarte Schokoladenglasur machen sie zu einem Highlight im Spätwinter – oder wann immer Sie sich nach einem Hauch Island sehnst.
Wenn die Mischung sprudelnd kocht, das Mehl auf einmal zugeben.
Sofort kräftig rühren, bis sich ein glatter Teigklumpen bildet, der sich vom Topfboden löst.
Den Teig 2–3 Minuten „abbrennen“, dabei ständig rühren, bis sich am Boden ein weißlicher Film bildet.
Den Teig in eine Schüssel geben und 5 Minuten abkühlen lassen.
Die Eier nacheinander unterrühren, bis eine glänzende, zähfließende Masse entsteht.
2. Backen
Backofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen.
Mit zwei Löffeln oder einem Spritzbeutel kleine Teighäufchen auf ein Backblech setzen.
25–30 Minuten goldbraun backen.
Wichtig: Den Ofen während des Backens nicht öffnen!
Auf einem Gitter auskühlen lassen.
3. Füllen und Glasieren
Sahne mit Zucker und Vanille steif schlagen.
Die abgekühlten Bollur halbieren und mit der Vanillesahne und Marmelade (am besten schmeckt Erdbeermarmelade) füllen.
Schokolade mit Butter schmelzen und die Oberteile der Bollur damit glasieren.
Zusammensetzen und sofort genießen.
Guten Appetit – eða Verði þér að góðu!
Vielleicht genießen Sie Ihre Bollur schon bald in Island – nach einem langen Tag voller Wasserfälle, Gletscher oder Hot Pots. Und bis dahin bringen diese kleinen, süßen Kugeln ein bisschen isländische Wärme zu Ihnen nach Hause.