Höfn / Skaftafell / Kirjubæjarklaustur

Höfn
Die Gemeinde Hornafjörður (isl. Sveitarfélagið Hornafjörður) liegt im Südosten Islands in der Region Austurland. Sie zählt 2.148 Einwohner (2009), von denen 1.635 in der grössten und einzigen Stadt Höfn und 83 in Nesjakauptún leben. Höfn í Hornafirði (dt. “Hafen im Hornfjord”) am Fusse des Vatnajökull ist eine Kleinstadt auf einer Landzunge zwischen Hornafjörður und Skarðfjörður. Der Ort liegt, verbunden durch eine Stichstrasse, nahe an der Ringstrasse.
Die Geschichte der Stadt ist unmittelbar mit Ottó Tuliníus verbunden, der Höfn 1897 zum Handelsort erklärte. Sein Haus beherbergt heute das Heimatmuseum (in der Gamlabúð). Hauptattraktion von Höfn ist das Gletschermuseum, in dem mehrere Stunden am Tag Filme und Animationen über den Vatnajökull zu sehen sind sowie Informationstafeln und Gletschertagebücher.
Weiter verfügt Höfn noch über ein Schifffahrtsmuseum (das Pakkhúsið). Höfn besitzt neben dem weiter westlich gelegenen Þorlákshöfn den einzigen Hafen der vorwiegend landwirtschaftlich geprägten und für den Schiffsverkehr inzwischen zu flachen isländischen Südküste.
Zu den Haupterwerbszweigen des Ortes zählen Fischfang und -verarbeitung, sowie Handel und Landwirtschaft. Auch das touristische Dienstleistungsgewerbe gewinnt kontinuierlich an Bedeutung.

Ingolfshöfði
Felsplateau am Strand, welches knapp 10km südlich von Fagurhólsmýri liegt, ist 76m hoch, 1200m lang und 750m breit. Eine Jeep-Piste führt über die Sanderfläche, durch Schlamm und Flussarme. Besichtigungen sind nur unter ortskundiger Führung ratsam. Ein Leuchtturm und eine Gedenksäule in Erinnerung an Ingólfur Arnarson (den ersten Siedler Islands, der hier an Land kam und seinen ersten Winter verbrachte, während sein Ziehbruder Hjörleifur sich weiter westlich ansiedelte) sind hier zu finden. In den Klippen brüten Lummen, Papageientaucher, Eissturmvögel und Möwen. Naturschutzgebiet.

Jökulsárlón
Der See Jökulsárlón (dt. “Gletscherflusslagune”) ist der bekannteste und grösste einer Reihe von Gletscherseen in Island. Er liegt am Südrand des Vatnajökull auf dem Breiðamerkursander zwischen dem Skaftafell-Nationalpark und Höfn. Mit 150 m ist er der dritttiefste See Islands. Der Jökulsárlón wird durch die auf ihm treibenden Eisberge charakterisiert, die eine Höhe von bis zu 15 m erreichen. Sie lösen sich von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull ab. Man kann am Ufer des Sees vor der Kulisse weit umherwandern (zahlreiche Wege und Trampelpfade) und die oft dreifarbigen Eisberge bewundern. Das Blau im Eis rührt von verschiedenen Kristallen und deren Reflexion her, das Schwarz von vulkanischer Asche.
Im Jökulsárlón schwimmen manchmal Seehunde, meist aber haben sie sich an den Ausfluss des Sees ins Meer zurückgezogen, der nur etwa 50 m lang ist. Sie weichen dem Lärm auf dem See aus, der von Ausflugsbooten für Touristen erzeugt wird. In den Monaten Juni und Juli nisten die grossen braunen Raubmöwen Skúa nahe des Gletschersees. Es empfiehlt sich wegen der Aggressivität der brütenden Tiere um sie und ihre Nester einen grossen Bogen zu machen.
In der Nähe befinden zwei weitere Gletscherseen, die viel kleinere und abgelegenere Fjallsárlón, welche auch nicht so grosse Eisberge aufzuweisen hat, sowie die Breiðárlón. Der kurze Fluss aus diesem See heisst Jökulsá á Breiðamerkursandi, wie viele andere in Island auch. Er wird von einer Brücke der Ringstrasse überspannt, die teilweise direkt neben dem See verläuft. Wegen der Meeresbrandung und der damit verbundene Erosion der Küste, wird die Gefahr, dass die Brücke unterspült wird, immer grösser. Dadurch würde die Ringstrasse an der Stelle verschwinden, die Jökulsá ebenfalls, und der See sich in eine Meeresbucht verwandeln.
Der Gletschersee diente bereits als Schauplatz für bekannte Filmproduktionen wie James Bond – Stirb an einem anderen Tag, Tomb Raider und Batman Begins.

Kirkjubæjarklaustur
Kirkjubæjarklaustur (gesprochen: kirkjübaijarklöjstür) ist ein kleiner Ort mit etwa 300 Einwohnern an der Ringstrasse zwischen Vík í Mýrdal und Höfn. Der Ort hat eine lange Geschichte. Angeblich lebten hier schon vor der Landnahmezeit Mönche aus Irland.
Ab 1186 existierte bis 1550 ein bekanntes Nonnenkloster, auf das sich auch die Namen eines hübschen Wasserfalls (Systrafoss) und des oberhalb auf einer Hochfläche gelegenen Sees Systravatn (isländisch für „See der (Kloster) Schwestern“) beziehen. Sagen erzählen von im See verborgenen Goldschätzen und ihren Gefahren. Kirkjubæjarklaustur wird umgangssprachlich meist “Klaustur” genannt, was so viel heisst wie Kloster.
Heute bildet der Ort ein wichtiges Dienstleistungszentrum für die Bewohner der Umgebung wie für Touristen, die auf der Ringstrasse oder ins Inland unterwegs sind. Der Ort ist günstig gelegen, um etwa die vulkanisch geprägten Gegenden der Laki-Krater oder der Eldgjá zu erforschen. Man kann von hier auch in den etwa 45 km entfernten Skaftafell-Nationalpark hinüberfahren, um dort Bergwanderungen zu unternehmen, oder etwas weiter weg, um die Eisseen am Breidamerkulssander wie die Jökulsárlón zu umwandern.
Sehenswert im Ort ist auch Kirkjugólf, das so genannte Kirchenpflaster aus Basalt. Dabei handelt es sich um sechseckige Lavasäulen, die durch Gletscherschliff so mit dem Erdboden nivelliert sind, dass sie tatsächlich wie Pflastersteine aussehen.
Als am 20. Juli 1783 als die Laki-Krater aktiv wurden, hielt der Pfarrer Jón Steingrimsson seine berühmte “Feuerpredigt”. Diese soll bewirkt haben, dass die Lava den Ort verschonte und stattdessen ihren Weg durch das Flussbett der Skaftá nahm. An dieses Ereignis erinnert die 1974 eingeweihte Kapelle.

Núpsstaður
Restaurierte Kapelle aus dem 17. Jahrhundert in der Obhut des Nationalmuseums. Hier wohnte Hannes Jónsson (1880 – 1968), Postreiter zwischen Síða und Hornafjörður und ortskundiger Führer über die zahlreichen Gletscherflüsse der Region.

Skaftafell
Der Skaftafell-Nationalpark liegt zwischen Kirkjubæjarklaustur und Höfn im Süden Islands. Er wurde am 15. September 1967 gegründet und seitdem dreimal vergrössert. Am 12. September 2004 wurde der Nationalpark erneut vergrössert und ist nun mit über 4.800 km² der grösste in Europa. Neu dazu gehören jetzt auch fast 60 Prozent des Vatnajökull und die Laki-Krater.
Im ursprünglichen Gebiet liegen zum Beispiel das Morsárdalur, der Gebirgsstock der Kristínartindar und der Skaftafellsjökull. Die Landschaft erinnert an manche Alpenszenerien, wurde aber in Jahrtausenden durch verschiedensten Einflüsse von Feuer (Ausbrüche des Öræfajökull) und Wasser (Gletscher Skeiðarájökull und Skaftafellsjökull sowie die Flüsse Skeiðará, Morsá und Skaftafellsá) geformt. Die Skeiðará ist berüchtigt wegen ihrer Gletscherläufe, von denen der letzte 1996 stattfand.
Bekannt ist Skaftafell für sein angenehmes Kleinklima, das für sonnige Sommertage sorgt, die im Rest von Südisland nicht so häufig sind. Ausserdem verfügt es über einen ausgedehnten Birkenwald (Bæjarstaðarskógur). Die Vegetation gedeiht vor allem, seit man mit Gründung des Nationalparks das Weiden der Schafe verboten hat. Dafür findet man zahlreiche Vogelarten, Füchse und sogar einige Nerze.
Ein ausgesprochen reizvoller Wasserfall liegt in diesem Nationalpark: der Svartifoss. Man findet ihn auf vielen Kalenderbildern, weil er sich so malerisch weiss schäumend vor einem Hintergrund von schwarzen Basaltsäulen abhebt.
Es gab ursprünglich einige grössere Bauernhöfe in der Gegend. Allerdings wurden die meisten mit der Zeit aufgegeben, nachdem sich das vorgelagerte Ackerland wegen der Gletscherläufe der Skeiðará in schwarze Sander verwandelt hatte. Die zwei verbleibenden Höfe widmen sich vor allem dem Tourismus. Zwischen den beiden Höfen liegt der Museumshof Sel. Es existieren auch ein schöner Campingplatz und ein Touristeninformationszentrum am Eingang zum Nationalpark. Der Park ist gut mit Wanderwegen erschlossen.

Vatnajökull
Der Vatnajökull (gesprochen vat’najö’küdll), dt. “Wassergletscher”, ist der grösste Gletscher Europas (8.100 km²). Die Mächtigkeit der Eisschicht beträgt bis zu 1.000 Meter. Einige der aktivsten Vulkane der Insel liegen unter dem Gletscher und zwischen ihnen ein ca. 500 – 800 m tiefes Tal. Seit dem 12. September 2004 liegen über 50 % des Vatnajökull im Skaftafell-Nationalpark, der bedeutend vergrössert wurde.
Die höchste Erhebung Islands mit 2.119 Meter über Meer, der Vulkan Hvannadalshnjúkur, befindet sich im Süden des Vatnajökull. Unter dem Gletscher gibt es abgesehen von diesem Berg noch einige andere aktive Vulkanzentren. Die Bárðarbunga ist zuletzt im September/Oktober 1996 ausgebrochen. Am bekanntesten sind jedoch die Grímsvötn, die auch der Ursprung des Gletscherlaufs der Skeiðará 1996 waren. Dort fand zudem am 1. November 2004 der letzte Ausbruch statt.
Wie viele andere Gletscher Islands entstand der Vatnajökull vor etwa 2.500 Jahren. Zur Zeit der Landnahme im 9. Jahrhundert n.Chr. war der Gletscher bedeutend kleiner als heute. So lagen etwa die Esjufjöll (nicht zu verwechseln mit der Esja bei Reykjavík) ausserhalb des eigentlichen Gletschers, während sie sich heute in dessen Mitte befinden. Im 13. Jahrhundert begann die sog. Kleine Eiszeit, die bis zum 20. Jahrhundert andauerte. Der Vatnajökull vergrösserte sich infolgedessen. Seit einigen Jahren verliert der Vatnajökull wie die meisten Gletscher an Grösse. Als mögliche Gründe werden die globale Klimaveränderung (Treibhauseffekt) und die vulkanischen Aktivitäten der letzten Jahre – die unter dem Gletscher liegenden Vulkane Grímsvötn und Bárðarbunga gehören zu den aktivsten der Insel – angeführt.
In direktem Zusammenhang damit steht auch die Anhebung des Landes. Die Schwere der Eiskappe, die auf dem Land lastet, verringert sich. Infolgedessen hebt sich das betroffene Land. Nach wissenschaftlichen Berechnungen hob sich das Land in den letzten 100 Jahren in der Mitte des Vatnajökull um etwa 100m, an den Kanten um ca. 50 m, in Höfn í Hornafirði um 20 m und in einer Entfernung von 50 km vom Gletscher immerhin noch um ca. 5 m.

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